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Geodateninfrastruktur
Schleswig-Holstein

© LVermGeo SH

Tag der GDI-SH 2019 in Kiel

Nachlese zum 7. Tag der GDI-SH in Kiel

GDI-SH – ein Meer an Daten!

Am 28. Februar 2019 fand der 7. Tag der Geodateninfrastruktur Schleswig-Holstein (GDI-SH) in der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel statt. In guter alter Tradition – 12 Jahre – wurde der GDI-SH-Netzwerk-Tag mit einem Motto versehen („GDI-SH – ein Meer an Daten!“) und vom Organisationskomitee des Lenkungsgremiums GDI-SH vorbereitet. Das Programm war gekennzeichnet durch die Schwerpunkte Digitalisierungsprogramm Schleswig-Holstein, INSPIRE-Umsetzungen, Automation sowie praktische Beispiele von Geodatenanwendungen in der GDI-SH. Begleitet wurde das Vortragsprogramm durch eine Ausstellung mit 21 Ausstellern aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft.

Bühne des Audimax vor gefüllten Sitzreihen GDI-SH-Tag 2019 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © LVermGeo SH

Dr. Dirk Bornhöft vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) nahm altbewährt die Moderation der Veranstaltung wahr und begrüßte die mehr als 400 Teilnehmer/innen im Audimax. Als Hausherr hieß Prof. Dr. Rainer Duttmann die Anwesenden willkommen und verwies darauf, dass die Veranstaltung mit regionalem schleswig-holsteinischen Bezug auch national einen hohen Stellenwert durch seine Akzeptanz erlangt habe.

Den Auftakt der Vorträge gestaltete Tobias Goldschmidt, Staatssekretär für Digitalisierung im MELUND. Er berichtete vom Digitalisierungsprogramm Schleswig-Holsteins und sprach über den Mehrwert der digitalen offenen Daten. Es war der spannende Beginn auf der Reise mit diversen Themen und Einblicken in die Geodateninfrastruktur Schleswig-Holstein an diesem Tag.

INSPIRE

Ein wesentlicher Auslöser, der die Geodateninfrastruktur mit ins Rollen brachte, ist das große Thema INSPIRE. Nicole Ruhe (Leiterin K 2) zeigte den aktuellen Stand der INSPIRE-Umsetzung im europaweitem Vergleich. Hier wurde deutlich, dass Deutschland schon weit fortgeschritten ist, es aber dennoch sehr viel Arbeit bedarf, um das große Ziel einer EU-weiten Geodateninfrastruktur zu erreichen. Die Bedeutung einer übergreifenden Geodateninfrastruktur, sei es regional oder international (INSPIRE), wurde in den aufgezeigten Beispielen, wie bei den Waldbränden in Brandenburg und deren Auswirkungen (durch Rauchschwaden) bis nach Berlin, deutlich.

Die kommenden großen Herausforderungen bestehen bei der Realisierung der Annex II und Annex III Themen. Die Umsetzung der INSPIRE-Richtlinie muss bis zum Jahre 2021 abgeschlossen sein. Dadurch stehen alle Beteiligten vor großen Herausforderungen – „Es wird sehr schwer!“ Im Anschluss berichteten Michael Schott und Tiemo Merkel (beide K 2) von den Neuigkeiten aus der Koordinierungsstelle GDI-SH.

Ein Meilenstein in der Metadatenpflege wurde mit dem „Leitfaden zur Metadatenerfassung in Schleswig-Holstein“ erreicht. Anhand zugeschnittener Metadatenschablonen im SH-MIS können Metadatenpfleger effektiver zum Ziel gelangen, ohne sich dabei durch die zahlreichen Konventionen und Standards zu arbeiten. Dieser Leitfaden beinhaltet alle notwendigen Normen und Standards für eine konforme Metadatenpflege. Die Anwender/innen sollen sich in erster Linie auf den Inhalt fokussieren, nicht wie bisher zusätzlich auf jegliche Normen und Standards. Somit können qualitativ hochwertigere Metadaten bereitgestellt werden.

Des Weiteren standen Neuigkeiten des Upload-Download-Portals im Vordergrund. Bei bereits abgeschlossenen INSPIRE-Fachnetzwerken steht eine Schnittstelle bereit, über welche die Nutzer/innen ihre Daten aus einem definierten Vorstandard hochladen und automatisch ins INSPIRE-Schema transformieren lassen können. Die hohe Bedeutung der Mitarbeit in den Fachnetzwerken kristallisiert sich nach der Transformation der Daten heraus. Je besser die Beteiligung in den Fachnetzwerken war, desto qualitativ hochwertiger ist das Ergebnis.

Digitaler Atlas Nord (DANord)

Ein weiterer Schwerpunkt war die Vorstellung des DigitalenAtlasNord (DANord) als zentrale Präsentationskomponente der GDI-SH. Der DANord ist eine plattformunabhängige Browseranwendung, welche über das Internet erreichbar ist. Über den DANord können Geodaten flexibel präsentiert, analysiert, editiert, prozessiert und geschützt werden. Das Projekt umfasst derzeit rund 30 in Betrieb genommene Themenportale, welche je nach Fachgebiet und Anforderung der Projektpartner optimiert sind. Der DANord wird stetig weiterentwickelt und neue Themenportale entstehen.

Mit der Aktualisierung der zugrundeliegenden Software map.apps (con terra) Ende 2018 ist u. a. eine Nutzung auf mobilen Endgeräten (Smartphone/Tablet) möglich. Für das Jahr 2019 sind weitere Themenportale geplant (Zensusportal, Umweltatlas), weiterhin die Integration und Präsentation der neuen, amtlichen und hochwertigen Produkte des LVermGeo SH (LoD, DGM, 3D) sowie die Möglichkeit der dezentralen Administration.

Mitarbeiter der Kst. GDI-SH beim Fachvortrag GDI-SH-Tag 2019 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © LVermGeo SH

Zum Abschluss wurde auf das Workshop-Programm verwiesen, welches auch 2019 wieder angeboten wird. Wie der DANord im praktischen Einsatz genutzt wird, stellte Jörn Grisard von der Ingenieurgesellschaft Grisard & Pehl GmbH in seinem Vortrag „DANord – Stadt Quickborn: Einführung und Anwendung des Rathausinformationssystems“ vor. Die Stadt Quickborn führte schon 2002 ein Geoinformationssystem ein. Seither wurde es konstant weiterentwickelt und verbessert. Die Zielsetzungen waren eine einfache Anwendbarkeit an möglichst vielen Arbeitsplätzen, keine Redundanzen in den Datenbanken und ein geringer Pflegeaufwand des GIS-Systems. Die Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung nutzen hauptsächlich das entsprechende Themenportal im DANord, in dem alle Geodaten der Stadt mit den Geobasisdaten des LVermGeo SH visualisiert werden. So ist es der/dem einzelnen Mitarbeiter/in schnell und einfach möglich, benötigte Informationen zu finden und ggf. zu bearbeiten. Die Nutzerzahl des Themenportals steigt stetig und umfasst inzwischen alle Teile der Stadtverwaltung. Zukünftig ist u. a. auch ein Bürgerinformationssystem vorgesehen oder die Möglichkeit der Datenerfassung mit externen mobilen Geräten über eine WFS-Schnittstelle.

LVermGeo SH – Geokompetenzzentrum

Amtsleiterin Cornelia Weber stellte die Weiterentwicklungen im LVermGeo SH vor. Eine sehr wichtige Entwicklung ist der Umstieg auf True Orthophotos mit 20 cm Bodenauflösung. Die flächendeckende Bereitstellung von 3D-Gebäudemodellen Level of Detail 2 (LoD2) ist ebenfalls ein wichtiger Meilenstein, welcher erfolgreich erreicht wurde. Das Projekt GeoBasis SH befindet sich derzeit in der Umsetzung. Ziel ist es, eine modellübergreifende Datenhaltung für ALKIS und ATKIS zu schaffen. Hierzu ist es erforderlich, die Datenbestände zu migrieren, eine gemeinsame Datenhaltung und Fortführung zu etablieren sowie die Bereitstellung valider Modellkennungen zu ermöglichen.

Auch stellte Weber die Leitlinien des LVermGeo SH vor, welche stark auf den digitalen Wandel und die Digitalisierung ausgelegt sind und eine moderne und zukunftsorientierte Ausrichtung des LVermGeo SH ermöglichen. Mit dem Kabinettsbeschluss vom 25.09.2018 wurde der Aufbau eines Geokompetenzzentrums im LVermGeo SH beschlossen. Aus dieser Entwicklung ergeben sich die drei Kernbereiche Geodatenberatung, Geodatenstandardisierung sowie GeodateninfrastrukturPlus.

Direktorin des LVermGeo SH beim Fachvortrag GDI-SH-Tag 2019 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © LVermGeo SH

Der Bereich Geodatenberatung wird zukünftig die Leistelle zur fachlichen Digitalisierung von Geodaten. Der Fokus liegt auf der Beratung, Begleitung und Unterstützung der geodatenhaltenden Stellen des Landes sowie die Beratung der Landesregierung. Hinter dem Bereich Geodatenstandardisierung steht die Aufgabe zur Festlegung von Geodatenstandards, welche die Schaffung einer hochwertigen Datenbasis für Geofachdaten ermöglichen. Das Ziel ist die Geodatenintegration, d. h. die Harmonisierung zwischen Geobasis- und Geofachdaten sowie von Geofachdaten untereinander zu fördern.

Im Anschluss folgten einige Beispiele, welche konkreten Aufgaben derzeit im Rahmen des Geokompetenzzentrums umgesetzt werden. Vorgestellt wurde zum einen die Leitstelle Copernicus, welche entsprechende Daten für Schleswig-Holstein bündelt, bereitstellt sowie über die Nutzungsmöglichkeiten informiert und zum anderen die Pflege und Aktualisierung der zentralen amtlichen Register, in welchen u. a. die Straßennamen, Straßenschlüssel und Hausnummern geführt werden und Web-Prozess-Schnittstellen, welche u. a. die Geokodierung von Fachdaten ermöglichen.

Praktische Anwendungen

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Vortragsblock mit praktischen Anwendungen aus der GDI-SH, die zeigten, wie GDI-Werkzeuge, Geodaten und Fachanforderungen gelungen umgesetzt werden können. Malte Schwanebeck (Zentrum für Geoinformation der CAU) stellte die Nutzung von Geodaten zur wissenschaftlichen Analyse der Wärmebedarfe in Schleswig-Holstein vor. Weiter zeigte Wolfgang B. Hamer (CAU) wie durch ein webbasiertes Vorhersagesystem Eindrücke von ertragsgefährdenden Pilzbefällen an Winterweizen gewonnen werden können.

Wieland Busse (ARC-GREENLAB - AED Solution Group) folgte mit der Vorstellung eines gemeinsamen WebGIS am Beispiel des Kreises Pinneberg mit den kreisangehörigen Kommunen. Beide Projektpartner arbeiten auf verschiedenen Gebieten (u. a. Jugend und Bildung, Soziale Dienste, Planen und Bauen) eng miteinander zusammen und profitieren von einem kooperativen System. Angesichts eines funktionierenden Netzwerks von Ansprechpartnern, starken Partnern für IT und GIS und leistungsstarken Softwarekomponenten wird die interkommunale Zusammenarbeit im Kreis Pinneberg erfolgreich praktiziert.

Drohne in der Außenvorführung GDI-SH-Tag 2019 (Vergrößerung öffnet sich im neuen Fenster) © LVermGeo SH

„Nur was man kennt, das schätzt man. Und was man schätzt, das schützt man.“, so ein Zitat aus dem Vortrag von Eicke Siegloff (Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein). Aufgrund der GDI-SH und INSPIRE bekommt die archäologisch kulturlandschaftliche Vielfalt in Schleswig-Holstein die Plattform, die es benötigt, um der Bedeutung dieses Themas gerecht zu werden.

Doch nicht nur über, sondern auch unter Wasser ist man erfreut, die Vorteile einer Geodateninfrastruktur nutzen zu können. Vor allem in der Ostsee herrscht eine hohe Munitionsbelastung. Entsprechende Belastungen im Wasser können heutzutage einfach und schnell digitalisiert und mobil abgerufen werden. Abschließend stellte Dietmar Hauling (GISConsult) ein GIS-gestütztes Aufbruchmanagement in Kommunen vor. Hier wurde anschaulich dargestellt, wie der gesamte Prozess einer Grabungskoordinierung verläuft. In der GIS-Anwendung können Grabungen in einem Gebiet skizziert und Anträge eingegeben werden.

Welcome to the Drone Age? Diese Frage stellte Juri Klusak (Orthodrone GmbH). Er zeigte anschaulich, wo die Einsatzgebiete von UAS-Technologie im Umweltmonitoring liegen und welche Vor- und Nachteile gegenüber den gängigen Methoden zum Vorschein kommen. Eine kleine Flugshow vor dem Audimax durfte natürlich nicht fehlen.

Resümee

Der 7. GDI-SH-Tag war mit über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die bisher besucherstärkste Veranstaltung. Rund um die Vortragsblöcke und in den Pausen fanden angeregte Fach- und Netzwerkgespräche statt. Es zeigte sich auf beeindruckende Weise, dass die GDI-SH wahrlich „Ein Meer an Daten!“ ist. Das Netzwerk GDI-SH lebt. Ein spannender Tag mit guten Gesprächen und tollem Catering ist das Resümee.

Was bleibt, ist der Dank an die Vortragenden für die spannenden Einblicke in das Meer an Daten, der Dank an die Firmen, welche die Ausstellung ermöglichten, die vielen unermüdlichen Helfer/innen aus dem LVermGeo SH, der CAU Kiel sowie dem Lenkungsgremium der GDI-SH. Wir freuen uns auf einen 8. Tag der GDI-SH 2021!

Vorträge zum Download

Die Vorträge des Veranstaltungstages können Sie hier nachlesen:

zu den Vorträgen (Externer Link LVermGeo SH)

Kontakt:

Landesamt für Vermessung und Geoinformation Schleswig-Holstein
Geschäftsstelle Lenkungsgremium GDI-SH
Mercatorstraße 1
24106 Kiel

Telefon: 0431 383-2878

TagDer.GDI-SH@LVermGeo.landsh.de (Betreff: Tag der GDI-SH)